Sie sind hier

Pressemitteilung zum Offenen Brief aus Jürgenstorf

Pressemitteilung, Rostock 28.09.2011
„Wir fordern, dass das Heim in Jürgenstorf geschlossen wird, da kein Mensch unter diesen Umständen leben kann.“
Antirassistische Initiative Rostock (A.I.R.) unterstützt den Offenen Brief der Bewohner/innen der Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende in Jürgenstorf (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte)

Die Gemeinschaftsunterkunft in Jürgenstorf bei Stavenhagen wurde 2004 durch Zusammenlegung von fünf Asylbewerberheimen des Landkreises Demmin eröffnet – gegen den Protest der örtlichen Bevölkerung und Gemeindevertreter. Rund 200 Asylsuchende und Geduldete sind bis heute in dem unsanierten Plattenbau in dem 1.100-Seelen-Dorf untergebracht. Aufgrund der desolaten Wohnsituation und der menschenunwürdigen Lebensbedingungen fordern die Asylbewerber/innen nun in einem öffentlichen Appell an Landespolitiker/innen, zuständige Behörden, Sozialverbände und Kirchen die Schließung der Gemeinschaftsunterkunft. In ihrem Brief kritisieren sie die isolierte Wohnsituation und die daraus resultierenden negativen psychischen Folgen für viele Bewohner/innen, unzureichende Busverbindungen und damit erschwerte Zugänge zu Behörden, Ärzten und Einkaufsmöglichkeiten, die schlechte Ausstattung des Heimes, fehlendes Engagement des zuständigen Trägers – des Malteser Hilfsdienstes – und keine Zugangsmöglichkeiten zu wichtigen Kommunikationswegen wie Internet. Sie berichten darin auch von rassistischen Übergriffen und fehlenden Kontakten zu Einheimischen; Deutschkurse werden im Umfeld nicht angeboten. Die Integration der Bewohner/innen und ein menschenwürdiges Leben der Menschen ist demnach weder vom Betreiber des Heims noch dem Land vorgesehen.

Die Flüchtlinge, die in Jürgenstorf leben, sind nicht nur einer repressiven deutschen Asylpolitik ausgesetzt – sie erhalten nur reduzierte Sozialleistungen, können sich aufgrund der Residenzpflichtverordnung nur in wenigen angrenzenden Landkreisen ohne Behördenerlaubnis frei bewegen, haben kaum oder gar keinen Zugang zu einer Arbeitserlaubnis, kein Recht auf Deutsch-Kurse oder eigene Wohnungen. Im Landkreis Demmin sind sie zudem häufig schikanösen Handlungen in der Ausländerbehörde ausgeliefert, wie bereits mehrfach in der Presse und von Flüchtlingsorganisationen berichtet wurde (http://www.zeit.de/2007/33/LS-MVP-Waffen, 13.08.2007, http://www.fluechtlingsrat-mv.de/abschiebung-von-armenischer-familie-aus..., 07.06.2011).

Daher unterstützen wir die Forderungen der Flüchtlinge und fordern die zuständigen Behörden zum Handeln auf.
Für das Recht auf Bewegungsfreiheit und für die dezentrale Unterbringung von Asylbewerber/innen in Wohnungen.
Wir fordern die menschenwürdige Unterbringung der Asylsuchenden in größeren Städten des Landes, in denen die kommunale Infrastruktur eine Teilnahme am Gemeinschaftsleben und Orientierungsmöglichkeiten im sozialen und kulturellen Bereich sowie den Zugang zu Rechtsanwälten, Ärzten und Beratungsstellen ermöglicht.