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Presse 08.11.2011 zum Asylheim in Juergenstorf

Herd und Klo für sechs Flüchtlinge

Eckhard Kruse (Nordkurier, 08. November 2011)

Zwei Landtagsabgeordnete der Linken erfragten bei der Landes- regierung, wie es um die Lebensbedingungen der Jürgenstorfer Asylbewerber steht.

Jürgenstorf.

Dass die Wohnbedingungen im Asylbewerberheim Neubrandenburg besser als in der Jürgenstorfer Unterkunft sind, das steht für Manfred Peters außer Frage. Nach Aussage des Demminer Regionalleiters des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte stünde in der Viertorestadt nur eine Erneuerung der Bäder an. Weitaus teurer wäre es, das Asylbewerberheim in Jürgenstorf auf Vordermann zu bringen. Denn hier sei für Peters eine grundhafte Sanierung mehr als nötig. Ob das Heim aber saniert wird oder nicht, wird sich in der kommenden Woche entscheiden. Dann hat der Landkreis und der Betreiber, das „Malteser-Hilfswerk“, einen Termin im Innenministerium.
Zwei Landtagsabgeordnete wollten es vorher schon einmal genauer wissen, wie es um die Einrichtung und die Lebensbedingungen der Bewohner steht. Aus der Anwort auf die Kleine Anfrage von Peter Ritter und Dr. Hikmat Al-Sabty (beide Die Linke) sind einige interessante Fakten zu entnehmen. So ist ein Flüchtling bereits seit der Eröffnung des Asylheims im Jahr 2004 – also seit sieben Jahren – in Jürgenstorf registriert. In jedem Raum leben maximal zwei Personen. Aber wie die Links-Politiker anmerken, würden in den Räumen auch persönliche Sachen und Lebensmittel aufbewahrt. „Ungezieferbefall ist keine Seltenheit. Die Räume sind eng.“ Über einen längeren Zeitraum sei der Zustand aber unerträglich.
Die Aussage der Regierung, dass sechs Personen sich einen Herd teilen und in drei Teeküchen je zwei Doppelkochplatten aufgestellt sind, bewertete Die Linke folgendermaßen: „Die Herde befinden sich nur in bestimmten Teilen des Gebäudes, da Starkstromversorgung nur partiell möglich ist. Die Heimbewohner tragen ihr Essen demnach über mehrere Flure.“ Weiter informiert die Landesregierung, dass sich je 16 Frauen und je 14 Männer ein Dusche teilen. Je 18 Toiletten für Frauen und je 14 für Männer stünden zur Verfügung. Das wären laut Regierung rund sechs Duschen und Toiletten je Bewohner.
Laut Regierung kämen schulpflichtige Kinder gleich nach der Ankunft in die Schule. Ob sie auch tatsächlich zur Schule gehen werde wie bei allen anderen Kindern überprüft. Die Gesamtschule Stavenhagen habe sei dem Jahr 2000 viel Erfahrung in der Integration und Sprachförderung. Denn die Schule war von 2005 bis 2009 eine von vier Modellschulen am Programm „Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund“. Ob Asylbewerber-Kinder Zugang zum Kindergarten haben oder nicht, werde im konkreten Einzelfall geprüft. In Jürgenstorf würden aber Kinder von Asylbewerbern und ehemaligen Asylbewerbern mit einer Duldung grundsätzlich in die Kita aufgenommen
Unzufrieden sind Ritter und Al-Sabty mit den Aussagen zum Facharztbesuch. Zwar könnten Hausärzte die Asylbewerber z. B. zum Psychologen überweisen. Ob dies notwendig ist, entscheide aber das Sozialamt gemeinsam mit dem Gesundheitsamt. Hier sei nach Ansicht der Landtagsmitglieder die Gefahr gegeben, dass bei der Dauer der Prüfphase und bei der Gewährung des Arztbesuches Willkür nicht auszuschließen ist.
Wie aus dem Papier weiter zu entnehmen ist, versucht das Malteser-Hilfswerk als Betreiber Konflikte im Heim zu vermeiden, indem es Flüchtlinge aus einzelnen Nationen möglichst in anderen Etagen oder auf anderen Fluren unterbringt. Dem Personal bescheinigt das Land, dass es über erforderliche interkulturelle Kompetenzen verfügt. Die Angestellten sprächen englisch und russisch.